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  • Nadine Witt

Wie ich schlafen lernte


Schlaf ist für uns Menschen absolut essenziell. Ohne Schlaf können wir nicht regenerieren. Es macht uns schlichtweg krank.


Wir benötigen den Schlaf, um unser Immunsystem aufzubauen und um gesund zu bleiben. Bekommen wir über einen gewissen Zeitraum nicht genug Schlaf, werden wir krank. Vielleicht sind es zunächst häufiger Erkältungen, Kreislaufbeschwerden oder Kopfschmerzen. Später können jedoch viel größere gesundheitliche Probleme entstehen: chronische Krankheiten, Depressionen, Burnout uvm..


Wir werden weniger leistungsfähig, stressanfälliger und können uns kaum noch konzentrieren. Darunter leidet sowohl das Berufsleben, als auch der private Bereich. Schlichtweg die Lebensqualität.


Seit ich zurückdenken kann, war Schlaf immer ein Problem. Als Kind war ich geplagt von Ängsten und Albträumen. Nacht für Nacht wachte ich auf und brauchte sehr lange, um wieder einschlafen zu können.

Später hatte ich einen so leichten Schlaf, dass ich von jedem Mucks wach wurde. Ich hörte regelrecht die Flöhe husten. Umgebungsgeräusche ließen mich wach werden und meist auch sehr lange wach bleiben.


Als ich dann Mutter wurde, wurde genau das noch verstärkt. Ich hörte jeden Atemzug meiner Kinder. Aber nicht nur von ihnen! Die (schnarchenden) Atemzüge meines Mannes wurden immer mehr zu einem Problem. Es machte mich schier wahnsinnig. So weit, dass wir uns entscheiden mussten getrennte Schlafzimmer zu haben.


Aber auch das änderte nicht sonderlich viel. Vorher konnte ich meinen Mann ja wenigstens rütteln. Ein Zimmer weiter hörte ich ihn dann noch vor sich hin schnarchen und ich konnte nicht mal direkt was dagegen tun... Und man glaubt gar nicht, wie viel Wut man dann aus reiner Verzweiflung aufbauen kann. Dabei lag es ja nicht an meinem Mann, dass ich nicht schlafen konnte, sondern an mir!


In jeder Wach-Minute drehten sich meine Gedanken im Kreis: Das und das musst du noch tun... Und das darfst du nicht vergessen... Sorgen hier, Sorgen da. Wirklich zermürbend!


Im Jahr 2019 habe ich dann wirklich den absoluten Höhepunkt meiner "Nicht-Schlafen-Karriere" erreicht: Ich konnte mich gar nicht mehr konzentrieren. Mein Kopf fühlte sich an, als wäre alles in Watte gepackt. Ich sah immer verschwommener und somit wurde auch jede Autofahrt zum absoluten Risiko - für mich und für die anderen Verkehrsteilnehmer. Es gab sogar den einen oder anderen Sekundenschlaf am Steuer! Nein, keine Sorge - es ist nie etwas passiert. Gott sei Dank!


Selbst im Urlaub habe ich keine einzige Nacht mehr als 2 - 3 Stunden geschlafen. Und auch die Zeit nicht am Stück! So kann ein Urlaub wirklich zu einem absoluten Albtraum werden.


Ich merkte, wie ich körperlich und geistig absolut an meine Grenzen kam. Dementsprechend zog ich mich immer weiter zurück. Klar, es war wirklich ALLES anstrengend. Selbst die pure Anwesenheit meiner Familie um mich herum wurde zu einer Tortur...


Im November dann habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich einfach raus musste aus dem Albtraum. Ich musste etwas tun!


Also fing ich an (fast) jeden Morgen Yoga zu machen, viel mehr spazieren zu gehen und - das war tatsächlich das Wichtigste in dem Fall - autogenes Training zu praktizieren.


Anfangs fiel es mir sehr schwer mich überhaupt auf die Übungen zu konzentrieren. Jedoch wurde es von Woche zu Woche besser. Ich konnte mich sogar von Woche zu Woche viel mehr entspannen und somit zur Ruhe kommen. Die Gedanken hörten auf zu kreisen und so wurden auch die Anzahl der Schlaf-Stunden langsam mehr.


Ich erreichte einen Punkt, an dem ich mich jedoch mit 4 - 5 Stunden Schlaf zufrieden gab und wurde wieder nachlässiger mit dem autogenen Training. Zugegeben: auch mit dem Yoga! Da ich aber bereits die Ausbildung zur Entspannungspädagogin angefangen hatte, musste ich mich ja intensiver mit den Entspannungstechniken auseinandersetzen. Und wie will man etwas glaubhaft und vernünftig vermitteln, wenn man es nicht selbst praktiziert?


Nachdem es dann im Kopf erneut "klick" gemacht hat, band ich das autogene Training in mein abendliches Ritual ein und machte es zu einem täglichen "Pflichtprogramm".

Mit jeder Übungseinheit trat die Entspannung schneller ein, der Schlaf wurde besser und mir ging es im Allgemeinen tagtäglich besser.


Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, dass ich nur noch mein Ruhewort (hierzu irgendwann mehr) innerlich 2 - 5 Mal sagen muss und dann in einem absoluten Entspannungszustand bin. Und das kann ich wirklich überall praktizieren!

Ich schlafe mittlerweile 6 - 8 Stunden - überwiegend ohne längere Wachphasen - und wache morgens erholt auf. Geräusche? Ich höre nur noch selten nachts etwas.


Jetzt ist es sogar soweit, dass ich ab und zu auch mal ein Mittagsschläfchen am Wochenende mache! Etwas, das es vorher nicht gegeben hat, weil ich ja alles gehört habe und mich an allem störte. Und man kann sich in solch einem "Zustand" wirklich an allem stören.


Die Vorteile des Schlafes sind unglaublich! Ich kann mich viel besser konzentrieren und lerne somit wieder sehr schnell und bin viel leistungsfähiger. Meine Laune ist erheblich besser und ich ertrage sogar meine Familie wieder. ;-) Mein Körper ist viel widerstandsfähiger geworden und somit sind die ständigen Erkältungen, Migräne und sonstige Zipperlein eher Seltenheit.


Ja, ich praktiziere tatsächlich täglich das autogene Training. Gerne auch in Kombination mit der Progressiven Muskelentspannung, denn dann ist es nicht nur der Kopf der arbeitet, sondern auch der Körper. Und das trägt sehr zur Entspannung bei. Manchmal lege ich mich einfach abends auf meine Akkupressurmatte und praktiziere darauf das autogene Training - das ist einfach nur toll und wohltuend!


Mittlerweile bin ich einfach nur dankbar, dass ich diesen Schritt gegangen bin und wieder intensiv zum autogenen Training gefunden habe. Und ich bin dankbar, dies mit euch teilen zu können und es euch auch - wenn ihr wollt - beibringen zu können.





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